Mit Warmshowers und Nextbike durch Karlsruhe

Unsere Reise zum Tangofestival nach Karlsruhe.
Ein etwas längerer Reisebericht über Tango und Fahrradfahren in Karlsruhe

Wir wollten unsere aktuelle Lieblingstangoband Orchestra Romantica Milonguera einmal live erleben. Die spielten in Karlsruhe auf.

Anreise per Bahn

Wir fuhren mit der Bahn. Da wir 2019 noch weitere Reisen geplant haben, hatten wir uns jeder noch eine Bahncard 25 geleistet, trotzdem finde ich die Fahrpreise doch recht hoch.
Flugbenzin sollte korrekt besteuert und dafür das Bahnfahren verbilligt werden – würde eine Menge CO2 vermeiden.
Um in Karlsruhe mobil zu sein, meldete ich mich bei Nextbike* an, einem deutschlandweiten Fahrradverleih.

Nextbike Webseite

Unterkunft über Warm Showers

Für die Unterkunft suchten wir auf der WarmShowers* Internetseite nach Gastgebern. Eine Plattform von Radfahrern für Radfahrer, die sich gegenseitig Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. Wir hatten auch schon einige Reiseradler zu Gast.

Für die erste Nacht sagte uns Constantin recht schnell zu. Für die zweite Nacht war es schon schwieriger, ich schickte ca. 12 – 15 Anfragen raus. Doch wegen des langen Pfingstwochenendes waren viele selbst unterwegs. Kurz vor der Abreise kam die Zusage von Stefan vom Patio Amistad.

WarmShowers Webseite

In knapp 3 Stunden ratterten wir mit dem Zug und leichtem Gepäck von Düren nach Karlsruhe (Umstieg in Köln und Mannheim).

Umstieg aufs Leihrad

Am Hauptbahnhof Karlsruhe fanden sich nach kurzer Suche zwei Nextbikes.
Dank vorher installiert Handyapp ging das Öffnen der Schlösser ganz einfach und schon konnten wir losradeln.


Unsere Unterkunft lag im 6 km entfernten Durlach. In der dortigen Festhalle fand abends Konzert und Milonga (Tango Tanzveranstaltung) statt.
Dank Navigationsapp Locus* fanden wir einen schönen autofreien, asphaltierten Weg durch den Oberwald. Unser Gastgeber hatte schon das Essen für uns vorbereitet und das Gästezimmer gerichtet. Vielen Dank an unseren freundlichen und aufmerksamen Gastgeber. Er hat uns mit allem bestens versorgt: Ausflugstips, Stadtplan, Einkaufstips….. inkl. Infos zu Heimatkunde und Stadtentwicklung. Außerdem hat er uns von seinen Erfahrungen beim Radreisen um die Ostsee erzählt.

Ausflug zu Fuß

Am Nachmittag bestiegen wir den nahegelegenen Durlacher Turmberg, die Zahnradbahn ließen wir links liegen und nutzten die vielen Stufen. Ganz oben vom Turm hast Du ein wunderbares Panorama über die Rheinebene.


Milonga in Durlach

Um 22:00 begann dann die Grand Milonga im großen Festsaal. Die über 100 Jahre alte Festhalle bietet die passende Atmosphäre für klassischen Tango. Auf der Tanzfläche war es ziemlich voll, aber die Könner unter den Tangueras und Tangeros stört das nicht.
Nach 23 Uhr kam endlich der Höhepunkt des Abends: Orchestra Romantica Milonguera.
Nach wenigen Stücken war die Tanzfläche richtig voll. Natürlich haben wir uns später eine CD mit (fast) allen Autogrammen geholt 😍😘😁.
Als wir wieder in Constantins Wohnung waren, war es schon fast halb vier.
Er wollte am morgen früh los und eine weite Strecke nach Sindelfingen radeln. Um 8:00 haben wir dann zusammen gefrühstückt. Danke für die tolle Gastfreundschaft.

Am Nachmittag ging es wieder nach Karlsruhe zum nächsten Quartier. Patio Amistad (bedeutet eigentlich Hinterhof, aber Patio Amistad macht sich auf dem Klingelschild viel schöner). Zwei Nextbikes waren in Durlach dank App schnell gefunden und entriegelt. Per Rad gings wieder nach KA.
Jasmin eine Mitbewohnerin von Stefan empfing uns sehr herzlich, denn Stefan war selbst auf einer Radtour. Patio Amistad ist eine ehemalige zum Wohnhaus umgebaute Schreinerei mit groẞen lichtdurchfluteten Gemeinschaftsräumen und einzelnen WG Zimmern, dort wohnen 6 Personen in einer WG. Wir fanden Platz auf der Schlafcouch im Wohnzimmer. Jasmin war mitten im Projekt Hochzeitstorte.

Radeln in KA geht gut

Wir besichtigten den Karlsruher Schlossparks und nahmen einen Imbiss mit Blick auf‘ Schloss. Wir radelten wieder mit den Leihrädern durch die Stadt. Karlsruhe ist in vieler Hinsicht schon wesentlich weiter, was den Radverkehr anbelangt, das merkt man auch an kleinen Details.

Praktischer Griff am Ampelmast, Komfort beim Warten auf Grün
Eine Bedarfsampel wird ihrem Namen gerecht: Wenn man keinen Bedarf hat, bleibt die Ampel ausgeschaltet und man kann die Straße queren, sobald frei ist.

Beispielsweise wurden viele breite Straßen auf eine Autospur für jede Richtung verschmälert, dafür wurden Fahrradstreifen mit mindestens 2 m Breite angelegt.
An anderer Stelle wurden Parkstreifen vom Rand in die Mitte der Straße als Schrägparker angelegt. Dadurch gibt es keine Gefahr für Dooringunfälle und Protected Bike Lanes ließen sich einfacher anlegen.
Der Radverkehrsanteil in Karlsruhe ist im letzten Jahrzehnt merklich angestiegen, der Grund:  Radverkehr steigt nur durch ein entsprechendes Angebot mit fahrradfreundlicher Infrastruktur. Der Mensch braucht Sicherheit im Verkehr.

4 topt 10

Abends ging es wieder in die Durlacher Festhalle. Diesmal durften wir für den Weg netterweise zwei Velos aus Stefans Fahrradsammlung nutzen.
Die vierköpfige Band toppte den tollen Auftritt des 10 köpfigen Orchesters vom Vorabend noch in ihrer Dynamik und Virtuosität: Tango en Vivo aus Russland. Beim Eröffnungstango „Por una Cabeza“ gaben sie schon 200 %, Energie pur, unheimlich ansteckend, das Publikum jubelte schon frenetisch nach diesem ersten Stück. In Deutschland hatte diese Formation erst 3 x gespielt… wir hoffen, bald mehr von ihnen zu hören!

Das Quartett Tango en Vida in Aktion

Naturlich mussten wir uns wiedert eine CD kaufen, natürlich wollte Claudia wieder alle Autogramme haben. Der Bassist, der die CDs verkaufte, ging mit uns nach draussen, damit auch die anderen Musiker unterschreiben konnten. Die feierten ihren tollen Auftritt mit einer Flasche Sekt. Es regnete aus Eimern, wir mussten uns entscheiden: Müde weiter tanzen oder bis auf die Haut nass werden. Doch wir kamen mit den russischen Musikern ins Gespräch und rauchten zusammen russische Zigaretten. Als Gelegenheitsraucher reicht uns das jetzt für 1-3 Wochen…..

Zickzackfahrt im Morgengrauen

Dann ließ der Regen nach, wir schwangen uns auf die Räder. Auch das Handy war ausgepowert und die Navigation versagte unterwegs, es ging im Zickzack durch den Oberwald. Statt 6 km waren es dann wohl 10 km bist Patio Amistad. Eine Brücke war gesperrt, die Umleitung für Radler vorbildlich ausgeschildert – allerdings hatten wir im Dunkeln wohl eine Abzweigung übersehen. Der Gesang einer Nachtigall schallte durch den Wald, als wir Karlsruhe erreichten waren es schon Amseln, die die Morgendämmerung begrüßten.
Dank des bequemen Schlafsofas schlief ich bis halb zwölf und Claudia noch ein wenig länger.
Jasmin hatte die Kaffehandmühle schon für uns geladen und ich durfte uns den lebensnotwendigen Kaffee per Hand kurbeln. Fürs Frühstück empfahl uns Jasmin Cafe Pallaver in der Nähe.
Dort gibt es eine tolle Frührstücksauswahl in netter Athmosphäre, direkt neben dem Karl Drais Museum, welches leider geschlossen hatte und natürlich trafen wir dort auf andere Teilnehmer des Tangofestivals.

Für 14:30 hatte Jasmin die Kaffeezeit angesetzt, da durften wir die tolle Hochzeitstorte probieren. Nicht nur schön, auch gaaaanz lecker!
Beweis erbracht, es geht auch mit Sahnecreme und Früchten statt Buttercreme mit Marzipanpanschale. Einen ganz lieben Dank auch an die Bewohner von Patio Amistad, die uns so freundlich aufgenommen haben.

Auf der Heimreise genossen wir die Aussicht auf das schöne Rheintal und ich hatte Zeit, diese Zeilen zu schreiben. Auf die Bahn ist Verlass, zumindest was Verspätungen anbetrifft. Gut, dass der Anschlusszug auch Verspätung hatte.

  • Links:

Nextbike
20-Punkte-Programm zur Förderung des Radverkehrs
Warmshowers
Locus

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