Jahresrückblick Critical Mass und Radfahren in Düren

Sie radeln, egal ob nasskalt oder regnerisch ist, an jedem letzten Freitag im Monat, bei Wind und Wetter, im Verband durch Düren. An diesem letzten Freitag im Januar, trafen sich Teilnehmer der Critical Mass Düren, zu einem Jahresrückblick, im KOMM Zentrum, warm und trocken. Critical Mass Düren Jahresrückblick auf 2014 Die Critical Mass ist eine Art Flash Mob, ein mehr oder weniger zufälliges Treffen von Radfahrern, die gemeinsam in die Pedale treten. Der Name, Critical Mass, ( engl. = kritische Masse ) ergibt besonders deswegen Sinn, weil ab mehr als 15 Radlern, laut Straßen Verkehrsordnung §27, die Radfahrer einen geschlossenen Verband bilden können und in 2er Reihe auf der Straße, gleichberechtigt mit PKWs, fahren dürfen. Der einzelne Radler ist, im Gegensatz dazu, bei entsprechender Beschilderung an die Radwege- Benutzungspflicht gebunden und ist deswegen oft nicht nur Unannehmlichkeiten sondern auch Gefahren ausgesetzt. Ist die kritische Masse von 16 Teilnehmern erreicht, gilt freie Fahrt, auch für Radler, auf den Straßen. Die CM Radler wollen durch diese Aktion auf den Radverkehr als Form des Individualverkehrs aufmerksam machen, außerdem soll die öffentliche Wahrnehmung für die Probleme und Rechte der Radler erhöht werden. Ziel ist eine bessere und sichere Infrastruktur, sowie eine Diskussion über die Lebensqualität in der Stadt. An der Critical Mass kann jeder teilnehmen, es gibt weder Anmeldung, noch Mitgliedschaft oder Teilnahmegebühren. In vielen Städten, in Deutschland gibt es sie, die größte in Hamburg mit ca 4000 Radlern. CM ist international und weit verbreitet von USA bis Ungarn, und seit 2014 auch in Düren. Seit 2012 betreibt Jens Veith aus Üdingen den Blog „RADFAHRN in Düren“. Mit diesem Blog hat er eine Plattform geschaffen, die sich an Alltagsradler, wie Freizeitradler und Berufspendler, aus dem Kreis Düren wendet und wo Informationen ausgetauscht werden können. Im März 2014 tauchte hier die Idee zur Critical Mass Düren auf.  Von den Anfängen und wie sich die CM sich im Laufe des letzten Jahres entwickelte, erzählte Jens Veith den interessierten Zuhörern im KOMM. Mit Bildern und kurzen Videos konnte man die Routen der CM 2014 nachvollziehen. An vielen, für Radfahrer, gefährlichen Stellen, hatte die CM gehalten und vor Ort hatte man die Probleme und Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Ständig wiederkehrendes Thema war die Radwegebenutzungspflicht und Schutzstreifen für Radfahrer. Aus der Sicht des Berufspendlers mit Rad, informierte Roger Eichler, aus Buir über die Vor- und Nachteile von Radwegen, Benutzungspflicht und die aktuelle Gesetzeslage. Im Kreis Düren sind viele Radwege wegen Breite, schlechten Zustands und Führung ungeeignet für den vorhandenen Radverkehr. Erkenntnisse aus Forschung und Praxis belegen schon lange, dass von der Fahrbahn räumlich getrennte, angelegte Radwege nicht sicherer sind, als das gemeinsame Benutzen der Fahrbahn durch alle Fahrzeugarten. Auf solchen baulich getrennten Radwegen werden Radfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern viel häufiger übersehen, als Radler auf der Straße. Mit der 1. Fahrradnovelle wurden diese Erkenntnisse allerdings auch schon 1997 in der StVO berücksichtigt: „ Fahrzeuge müssen die Fahrbahn benutzen…“ was heißt, dass Fahrräder die Fahrbahn gemeinsam mit allen anderen Fahrzeugen benutzen müssen (§ 2 Abs. 1 StVO) und baulich getrennte Radwege nur als Ausnahme gelten sollen. Die Umsetzung dieser fast 20 Jahre alten Gesetzgebung wurde seitens der Politik in Stadt und Kreis Düren lange ignoriert, mittlerweile ist die Umsetzung in vollem Gang, denn bis 2016 müssen, laut 2. Novellierung der StVo, alle Radweg überprüft sein. Uwe Schmitz, der Fahrradbeauftragte der Stadt Düren, stellte einen Flyer vor, der über Schutzstreifen für Radfahrer informiert. Hier fahren Radfahrer auf der Fahrbahn mit allen anderen Fahrzeugen, wie z.B. auf der Tivolistraße, Stürtzstraße, Bonnerstraße und Schenkelstraße. Geplant sind neue Schutzstreifen für Zollhausstraße, Bahnstraße, Friedrichstraße und Kölnstraße. Im Gespräch mit dem Fahrradbeauftragten wurde deutlich, welche umfassenden Anforderungen bei der Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht erfüllt werden müssen und welche Kosten damit verbunden sind. Der Fahradbeauftragte des fahrradfreundlichen Kreises Düren konnte leider nicht zur Veranstaltung kommen – denn es gibt keinen, diese Stelle wird seit ca eineinhalb Jahren nicht besetzt. Seit März 2014 wächst der Kreis der Radler die sich für die Critial Mass Düren interessieren. Am Freitag 27. Februar, wird die nächste CM statt finden. Treffpunkt ist, wie immer, um 17:45h an der Mariensäule auf dem Marktplatz. Wohin und wie lange gefahren wird, entscheiden alle Teilnhemer dann gemeinsam vor Ort. Die CM Teilnhemer freuen sich auf gemeinsame Fahrten, Diskussionen und darauf dem Radverkehr in Düren einen sicheren Weg zu bereiten. Info: Treffpunkt jeden letzten Freitag im Monat um 17:45h an der Mariensäule auf dem Marktplatz, Düren.

Vortragsfolien von Roger Eichler: RWBP-Vortrag

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4 Gedanken zu “Jahresrückblick Critical Mass und Radfahren in Düren

  1. Ach so, der Kreis. Dann habe ich etwas ungenau gelesen. Nichtsdestotrotz: Ein Fahrradbeauftragter auf Kreisebene sollte nicht fehlen, nicht nur, weil ich davon ausgehe, dass kleinere Kommunen eher keine Ressourcen für eine solche Funktion haben, sondern auch zwecks überkommunaler Koordination eine solche Funktion sinnvoll ist.
    Ansonsten gibt es natürlich auch reine Kreisstraßen/Radwege, und konkret fällt mir der erbärmliche Zustand des Radweges an der L249 zwischen Kreuzau und Niederau ein. Der Fahrradbeauftragte des Kreises könnte hier z.B. dem Land gegenüber aktiv werden.

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  2. Seit anderthalb Jahren keinen Fahrradbeauftragten mehr in Düren? In einer 90.000-Einwohner-Stadt?
    Das ist ein schlechtes Zeichen. Wie Kopenhagen die Fahrradnation schlechthin in Sachen städtischer Radinfrastruktur überholt, und damit bekannt geworden ist, so könnte Düren auch (zumindest bundesweit) bekannt werden, wenn hier ähnliche Ziele verfolgt würden.

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    • Danke für den Kommentar

      nunja, zumindest sucht der Kreis Düren nach einem Fahrradbeauftragten…
      jedoch, wenn ich auf der Seite http://www.kreis-dueren.de/ in der Suche das Wort Fahrradbeauftragter eingebe bekomme ich die Meldung
      „Ihre Suche nach »Fahrradbeauftragter« ergab leider keine Treffer.Bitte versuchen Sie es erneut mit einer veränderten Suchanfrage.“

      Auch in den Stellenausschreibungen ist nichts zu finden:
      http://www.kreis-dueren.de/kreishaus/amt/10/Stellenausschreibungen.php?p=1105,1106,26210

      Das ist schon ein peinlich…

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      • Hallo! Der ehemalige Fahrradbeauftragte hatte aus eigenen Stücken (aus persönlichen Gründen) plötzlich gekündigt.
        Die Neuausschreibung der Stelle hat leider zweimal zu keiner Neubesetzung geführt. Der Kreis (auch die Politik) sind da aber dran und sehen durchaus die dringende Notwendigkeit, die Themen Radverkehr und ÖPNV mit Nachdruck zu bearbeiten.

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