Radwege auf dem Prüfstand

kommentierter Artikel aus der Dürener Zeitung vom 23.10.2014

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Kreuzau/Düren.
Die Zeit läuft: Bis Ende 2016 müssen alle Radwege in der Republik überprüft werden. Die 2. Novellierung der Straßenverkehrsordnung verlangt dies. Es geht darum, ob Radwege aus der Benutzungspflicht herausgenommen werden müssen oder nicht.
Bergab auf der Straße, rauf auf dem Radweg

Das Straßenverkehrsamt des Kreises, die Kreispolizeibehörde und der Landesbetrieb Straßen NRW haben bisher die Radwege in acht Kommunen unter die Lupe genommen. Kreuzau, Vettweiß und Nörvenich beispielsweise fehlen noch.

Etliche Radwege sind schon aus der Benutzungspflicht genommen worden. Zwei Beispiele: Zwischen Nideggen und Abenden darf der Radfahrer bergab auf der Landstraße fahren, bergauf muss er aber den Radweg nutzen. Und zwischen Kreuzau und Niederau ist auch die Fahrt auf der Straße zwischen Lastwagen und Bussen wegen des schlechten Zustandes des asphaltierten Streifens neben der Landstraße erlaubt.

Ich fahre diese Strecke zwischen Kreuzau und Niederau täglich. Der Zustand des Radwegs ist schlecht, bis unzumutbar, doch das Fahren auf der Straße ist auch eine Zumutung, denn hier ist 70 km/h erlaubt, die meisten Autofahrer haben vermutlich nicht mitbekommen, dass die Radwegbenutzungspflicht aufgehoben wurde. Außerdem ist die Benutzung des (ehemaligen) Radweges gegen die Fahrtrichtung (linksseitig Richtung Düren)  lebensgefährlich. Da gibt es etliche Studien die das belegen.
Die beste Lösung wäre ein Schutzstreifen Richtung Düren, in Fahrtrichtung mit der Straße geführt und ein neu sarnierter Radweg in Richtung Kreuzau. Die Begründung „wegen des schlechten Zustandes des asphaltierten Streifens neben der Landstraße ist die Fahrt auf der Straße für Radfahrer erlaubt“ klingt für mich, so als wenn dann der ehemalige Radweg gar nicht mehr instand gehalten wird.

Wird ein Radweg aus der Benutzungspflicht genommen, hat der Radler die freie Wahl zwischen Straße und dem Radweg. Vor allem innerorts soll die Benutzungspflicht entfallen.

Wenn die Benutzungspflicht aufgehoben wurde soll dies auch ausreichend kund getan werden. Bzw. die Voraussetzung für  ein sicheres Radfahren geschaffen werden. Das ist zwischen Kreuzau und Niederau leider nicht geschehen.

In der Stadt Düren fällt die Überprüfung in Zusammenarbeit mit dem Fahrradforum in das Arbeitsgebiet des Fahrradbeauftragten, Uwe Schmitz. „Keine leichte Aufgabe“, sagt er. Auf den ersten Blick schon. Denn nach einem Leitfaden der Stadt Mainz aus dem Jahr 2010, den das Land Nordrhein-Westfalen seinen Kommunen und Kreisen empfohlen hat, ist der verkehrssichere Radweg 1,50 Meter breit und hat einen Schutzbereich von 40 Zentimeter zur Straße. Befindet sich rechts von ihm noch ein Gehweg, dann muss dieser zwei Meter breit sein.

Doch diese Vorgaben bereiten auch Probleme. Beispiel Euskirchener Straße/Schoellerstraße in Düren. Eigentlich müsste der Radweg entlang der beiden Straßen aus der Benutzungspflicht genommen werden, aber: „Soll ich dem Radfahrer erlauben, auf dieser vielbefahrenen vierspurigen Bundesstraße zu fahren? Ich habe da wegen der Gefahr meine Zweifel“, sagt Schmitz, obwohl er auch weiß: „Der geübte Radfahrer will eher auf einer Straße fahren als auf einem Radweg.“

Der Grund: Ein Radweg führt oft an Hauseingängen und Ausfahrten vorbei. Außerdem fahren Autofahrer aus Seitenstraßen häufig in die Fortführung des Radweges hinein. „Da radelt der Geübtere lieber über die Straße, denn Kreuzungen und Zufahrten sind die häufigsten Unfallorte.“ Auch Wolfgang Franzen von der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde sagt: „Den Radlern entsteht kein Nachteil durch die Aufhebung der Benutzungspflicht.“ Der Trend gehe bundesweit zu einer Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer. Also: Radler auf die Straße.

Auch auf der Philippstraße im Bereich der Eisenbahnbrücke? Auch dort soll der Radfahrer zukünftig die Straße und nach Möglichkeit nicht mehr mit dem Fußgänger den schmalen Weg oberhalb der Straße nutzen. Das wünschen sich beispielsweise, sagt Schmitz, Bündnisgrüne und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club.

Sicherheit auf der Straße können den Radlern die sogenannten Schutzstreifen bieten. In Düren gibt es sie beispielsweise an der Hohenzollern-, Tivoli-, Stürz- und Bonner Straße, an der Monschauer und Aachener Straße, der Rütger-von-Scheven-Straße und an der Oststraße. An letzterer nur bergauf: „Man geht davon aus, dass der Radler die Straße hinunter praktisch mit dem Verkehr schwimmt, bergauf aber muss er wegen der Lenkbewegungen einen Schutzstreifen haben“, sagt Schmitz.

Wird ein Radweg aus der Benutzungspflicht herausgenommen, heißt das nicht, dass er nicht mehr unterhalten wird: „Wir sind weiter für die Verkehrssicherungspflicht zuständig“, sagt Schmitz und wünscht sich für seine weitere Tätigkeit vor allem eins: „Wenn alle Verkehrsteilnehmer mehr Rücksicht aufeinander nähmen, hätten wir viel weniger Probleme.“

Der letzte Satz  ist der wichtigste Grundsatz für ein Miteinander im Straßenverkehr, den viele Autofahrer aber beim Einsteigen ins Auto sofort vergessen. Liegt es an der Distanz zu den anderen Verkehrsteilnehmern oder am Blechpanzer, der einen überheblich macht. Oder daran, dass die Autofahrer – sagen wir besser Kraftfahrer in der Überzahl sind ? Deutschland ist ein Autofahrerland, das Auto ein Machtdemonstrationsobjekt,  dasssitzt in vielen Köpfen fest. Deshalb ist es sehr wichtig, dass man Aufklärung betreibt und Akzeptanz für alternative Mobilität schafft.

Quelle:
http://www.aachener-zeitung.de/lokales/dueren/radwege-stehen-auf-dem-pruefstand-1.943131

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Ein Gedanke zu “Radwege auf dem Prüfstand

  1. Der Artikel zeigt, woran die Verkehrsplaner und Verkehrspolitiker gerade arbeiten. Es ist erwiesen, dass Radler/innen auf Bordsteinradwegen deutlich gefährlicher leben als auf der Fahrbahn. Diese Tatsache ist aber noch lange nicht überall bekannt. Deshalb ist v.a. eines wichtig: Gute Öffentlichkeitsarbeit!
    Fragen und Anregungen können dazu nicht nur über diese Seite, sondern auch stets bei der Critical Mass Veranstaltung gestellt werden. Ich nehmen diese gerne mit in die politische Arbeit in Stadt und Kreis. Gruß von Georg Schmitz, Verkehrspolitiker der Grünen

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